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Impfgeschichte Babesiose CECS Irrtümer
Quelle :
http://hundeecke.plusboard.de/
Der Fall war im April 2007
Dieser Beitrag darf kopiert und unter Nennung
der Quelle weitergeleitet werden!
Die akute Babesiose wird durch die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus)
übertragen, die sich derzeit sehr schnell über Deutschland verbreitet. Der
Erreger ist Babesia canis canis. Anders als der Holzbock, welcher Borreliose
bzw. Anaplasmose nicht auf seinen Nachwuchs überträgt, liefert die Auwaldzecke
die Babesien praktisch "gratis" an ihre 3000 - 5000 Eier mit. Wir dürfen also
damit rechnen, dass die akute Babesiose bald in ganz Deutschland Thema sein
wird!
Es gibt auch die chronische Form der Babesiose, die durch die Braune Hundezecke
(Erreger: Babesia canis vogeli) übertragen wird und die i. d. R. sehr viel
milder verläuft als die akute Form. Die chronische Babesiose kommt bisher in D
fast nicht vor (außer bei Importhunden).
Die akute Babesiose äußert sich zunächst durch Mattigkeit, Freßunlust,
Abgeschlagenheit - sehr schnell (meist schon nach wenigen Stunden) kommt dann
Fieber dazu. Der Hund nimmt rasend schnell ab, man kann dabei zusehen, wie er
"verschwindet". Jason wog bei Ausbruch der Krankheit gut 43 Kilo.
Jason verweigerte schon am Folgetag dieser ersten Anzeichen jegliche Futter- und
Wasseraufnahme, sein Fieber bewegte sich um die 40 Grad. Da er sich erbrach und
er auf diese Weise viel Flüssigkeit verlor, fuhr ich mit ihm zum TA. Der
verabreichte im Notdienst (Donnerstag abend) eine Infusion. Einen
Diagnoseversuch unternahm er nicht. Auch Freitags kamen wir zur Infusion,
außerdem wurde der Bauchraum geröntgt, ein Blutbild gemacht und Leber, Milz und
Niere geschallt. Nun kommen die typischen Symptome:
Hochgradige Anämie (verminderte Erythrozyten, niedriger Hämatokrit), hohes
Fieber (41 Grad), enorm vergrößerte Milz, Gewichtsverlust auf 38 Kilo,
verfärbter Urin (rötlich bis dunkelorange). Da ich den Tierärzten gegenüber
erwähnt hatte, dass Jason in der Zeit zuvor enorm viele Zecken hatte (es war
wirklich schlimm gewesen!) hätten hier bei den Tierärzten die Alarmglocken
schrillen müssen, leider blieben sie still.
Samstag Vormittag: Wieder zur Infusion, und nachdem ich mich im I-Net informiert
hatte, sagte ich den behandelnden Ärzten, dass ich akute Babesiose für möglich
hielte, zumal Jason´s Urin zwischenzeitlich orange gefärbt war. Drei Ärzte waren
dort aber der einhelligen Meinung, dass "das mit den Zeckenkrankheiten" bloß
eine "Panikmache der Medien" sei und so was "Exotisches" wie Babesiose doch HIER
bestimmt nicht vorkäme. Man überlegte nun, ob man die Milz herausoperieren
solle, weil die so "merkwürdig vergrößert" sei! Hier sei angemerkt: Die
Babesiose wäre anhand der o. g. Symptome bereits eindeutig zu diagnostizieren
gewesen!
Diagnosemittel der Wahl wäre ein Direktnachweis (PCR "Polymerase Chain
Reaction"-Test) der Babesien im gefärbtem Blutausstrich aus Kapillarblut
(Ohrränder oder Kralle) gewesen.
Stattdessen gab man (auf mein Drängen hin, dass man doch versuchen müsse, hier
eine Diagnose zu bekommen) einen IFAT-Test (Antikörpernachweis aus Serum) bei
Laboklin in Auftrag. Geordert wurde das "Mittelmeer-Screening" (AK-Tests auf
Leishmaniose, Herzwürmer, Babesiose und Ehrlichiose). Im Leishmaniose-Forum
erfuhr ich, dass der IFAT-Test in diesem Stadium völlig sinnlos ist, da der
Hundeorganismus in dieser kurzen Zeit keine Antikörper gebildet haben kann. Der
Test fällt also zwangsläufig negativ aus. Auch dies war den Tierärzten nicht
bekannt.
Außer Infusionen mit Ringer-Lactat und Glucose sowie Schmerzmitteln (Novalgin)
und Vit. B12 wurde nichts unternommen. Jason wog noch 37 Kilo.
Dann kam die Nacht von Samstag auf Sonntag. Ich WUSSTE zwischenzeitlich, dass
Jason Babesiose hat. Alle Symptome waren da, auch der passende Auslöser
(Zecken). Er war (trotz Infusionen morgens) völlig apathisch, konnte kaum noch
aufstehen, die Augen waren glasig, das Fieber betrug 41,1 Grad. Ich spritzte ihm
im Viertelstunden-Rhythmus eine Elektrolyt-Lösung ins Maul. Um Mitternacht
erbrach er alles wieder, den letzten Rest der Flüssigkeit, die er noch in sich
hatte.
Er lag leise wimmernd in seiner Kudde (ich vermute mal, dass auch Hunde bei
hohem Fieber halluzinieren, und dass er Schmerzen hatte). Anruf beim Notdienst:
Die diensthabende Tierärztin erklärte, Fieber würde beim Hund erst ab knapp 42
Grad gefährlich (zur Info: ab 41,8 Grad tötet das Fieber einen geschwächten
Hund, heute weiß ich das), und da der Hund ja morgens Infusionen bekommen hätte,
sei das nicht tragisch. Nochmals Infusionen könne man nicht geben, da dies sonst
ein Lungenödem zur Folge hätte. Wohlgemerkt: Jason hatte vor ZWÖLF Stunden EINEN
Liter Flüssigkeit bekommen, mehr nicht. Auch hier: katastrophale Unwissenheit
bei der diensthabenden Tierärztin. Ich solle halt alle Stunde Fieber messen und
wenn es über 41,5 Grad steigt nochmal anrufen. Da war es 2 Uhr nachts.
Im Internet erfuhr ich dann, wie akute Babesiose behandelt wird und dass es sehr
schwierig sei, an das entsprechende Medikament (Wirkstoff: Imidocarb, in
Deutschland nicht zugelassen, Handelsnamen: Carbesia bzw. Imizol)
heranzukommen. Das könne über die Internationale Apotheke 3 - 4 Tage dauern.
Weiterhin erfuhr ich, dass die meisten Hunde 3 - 6 Tage nach Ausbruch der
Krankheit sterben. Das war SEHR beruhigend . Mittwochs hatte Jason erste
Anzeichen gezeigt, Sonntag war bei ihm bereits der FÜNFTE Tag der Krankheit!
Anmerkung: Imidocarb hat für den Hund keine "schrecklichen" Nebenwirkungen, die
es rechtfertigen würden, eine Behandlung damit so lange als möglich
hinauszuzögern! Die Nebenwirkungen sind starkes Hecheln, Speicheln und
Erbrechen. Diese Symptome legen sich nach kürzester Zeit wieder! Gefährlich ist
lediglich eine massive Überdosierung des Wirkstoffs. Normalerweise erhält der
Hund 0,25 ml bis 0,5
ml Imizol/Carbesia pro 10 Kilo
Körpergewicht. (Wichtig: Maßeinheit Milliliter NICHT Milligramm!!!)
Sonntag morgen machte ich in der Praxis dann dem -zufällig diensthabenden- Chef
der Praxis klar, dass mein Hund a) Babesiose hat und b) sofort Carbesia braucht.
Ich war dabei ziemlich energisch, brachte sämtliche Internetausdrucke zum Thema
mit und sagte, nötigenfalls steige ich auf der Stelle ins Auto und fahre mit
Jason nach Frankreich (dort ist Imidocarb zugelassen).
Er warf einen Blick auf Jason, stellte ihn auf die Waage (36 Kilo), maß Fieber
(41,2 Grad), nahm über ein Katheder Urin (dieser war immer noch blutig) und
teilte mir dann mit, dass die Praxis Imizol vorrätig hat und ich nicht nach
Frankreich fahren bräuchte. Jason bekam die für sein Gewicht passende Dosis
Imizol und dann nochmal eine Infusion.
Es dauerte acht Stunden, da konnte Jason schon wieder einige Meter
spazierenlaufen, und er FRASS! Er hatte zuvor keinerlei Futter mehr angerührt!
Nach der Imizol-Injektion besserte sich Jason´s Zustand rasch. OHNE die
Injektion wäre er vermutlich noch am Sonntag über die Regenbogenbrücke gegangen.
Die weitere Therapie: 20 Tage Antibiotika (Cefaseptin Forte) sowie eine weitere
Imizol-Injektion 10 Tage nach der ersten Spritze.
Heute ist Jason´s Immunsystem zwar immer noch etwas angeschlagen, aber insgesamt
ist er wieder "fast" gesund. Jason bekam (bekommt) folgende
Ergänzungsfuttermittel, um die Genesung zu unterstützen:
- Sanostol plus Eisen (Blutbildung)
- Vit. K 1 (Immunstärkung)
- Mariendistel (Leberschutz und -regeneration)
- MSM (Immunstärkung)
- Symbio Pet (Darmsanierung)
Lasst euch nichts erzählen: "Mittelmeer"-Krankheiten gibt es nicht nur am
Mittelmeer, sie sind auf dem Vormarsch, und wenn ihr die Symptome an eurem Hund
erkennt, BESTEHT auf der Injektion von Imidocarb (sei es nun als Carbesia oder
als Imizol).
Akute Babesiose endet fast immer tödlich, und die Krankheit verläuft oft so
rasend schnell, dass SOFORT reagiert werden muss! Für Spekulationen, Wenns und
Abers ist keine Zeit!
_________________
Anm. von Jason’s Fraudi Claudia:
Üblicherweise bekommt der Hund seine zweite Carbesia- bzw. Imizolspritze zwei
Wochen nach der ersten. Zwei Tage in Folge Carbesia zu spritzen, macht nicht
wirklich Sinn und birgt die Gefahr der Überdosierung!
Ein Hund, der Babesiose hat/te, sollte von jeglicher Chemie (auch
Zecken-Spot-Ons) und von Impfungen verschont bleiben! Zeckenprophylaxe ist hier
natürlich ein heikles Thema, da man ja nicht möchte, dass der Hund sich nochmals
infiziert. Da heißt es: Risiken abwägen, eine abschließende Empfehlung dazu kann
man wohl nicht geben
Die Babesiose-Impfung mit Nobivac Piro ist stark umstritten, sie verhindert
weder eine erneute Infektion noch den Ausbruch der Krankheit. Die einzige
(angebliche) Wirkung sei, dass die Krankheit nicht ganz so heftig verlaufen
würde. Dazu einfach auch mal die Boardsuche anwenden (Babesiose-Impfung, Nobivac
Piro).
Nach einer akuten Babesiose-Erkrankung braucht der Organismus bis zu einem
halben Jahr, um wieder "richtig" zu funktionieren. Ich würde bei dem betroffenen
Hund alle 2 Monate ein großes Blutbild mit Organwerten machen lassen (mögl. auch
Retikulozyten bestimmen lassen, zumindest anfangs). Das Immunsystem ist in
dieser Zeit überaus geschwächt, daher bitte: SCHONEN!
Mehr über Verlauf und Genesung kann man auch in diesem Thread hier nachlesen:
(http://www.gesundehunde.com/forum/sh...ilfe+Babesiose
) =
http://www.gesundehunde.com/forum/showthread.php?t=88548&highlight=Hilfe+Babesiose
INFO
auch unter:
http://www.leishmaniose-forum.com
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