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Impfgeschichte Babesiose CECS Irrtümer
#Erziehung_-_Training
Diesen Text fand ich auf der Homepage von Andrea Kühne, TeamPassion Fun and Action Training für Mensch und Hund, Nürnberg. Freundlicherweise erlaubt sie, den Text auf dieser Site wiederzugeben (siehe Seitenende).
Weit verbreitete Irrtümer in der Hundeausbildung und -erziehung:
In Büchern, auf Seminaren und in Vorträgen, nicht nur unbekannter Personen, und damit zwangsläufig auch unter der hundehaltenden Bevölkerung sind immer wieder gleichbleibende, ethologisch überholte Ratschläge zur Bestrafung und Erläuterungen über die Rechtfertigung von Gewaltmaßnahmen durch angebliches Rudelverhalten zu lesen und zu hören.
Nachfolgend sollen ein paar dieser Empfehlungen und Argumentationen hinterfragt werden:
1. Das Auf-den-Rücken-Werfen oder der sog. Alpha-Wurf:
Bei Fehlverhalten eines Hundes, z.B. ein Rüde greift einen
anderen Rüden durch Bellen und/oder Drohverhalten an, wird sehr häufig
empfohlen, den angreifenden Hund auf den Rücken zu werfen, da dies "alpha"
angeblich bei Fehlverhalten ebenfalls so macht.
Es handelt sich hierbei nicht um ein artgerechtes Bestrafen, sondern entspringt
einem mangelnden Verständnis der Ethologie bzw. ethologischer Verhaltensweisen.
Dieses auf den Rücken-Werfen ist eine Kampftechnik aus dem Bereich der freien
Aggression (Ernstkampf). Einen Ernstkampf gibt es innerhalb eines Rudels nur,
wenn es an das "Eingemachte" geht. Im Rahmen der freien Aggression gibt es für
die betroffenen Caniden nur wenige Möglichkeiten zu reagieren - Flucht oder aber
in diesem Fall Selbstverteidigung.
Der Gegner oder der sich gegen Alpha bzw. seine "Anordnungen" auflehnende Hund
wird nur dann aktiv auf den Rücken geworfen, um einen stark verletzenden bis
tödlichen Biß in Bauch- bzw. Kehlgegend setzen zu können.
2. Nackenfellschütteln:
Wie bei dem "Auf-den-Rücken-Werfen"
handelt es sich hierbei ebenfalls nicht um eine simple und artgerechte Strafe.
In der Natur gibt es in der Regel nur 2 Gründe, daß Hunde sich am Nacken
greifen:
Wenn Gefahr für die Welpen droht, werden diese zu einem anderen Bau versetzt und
dabei oftmals am Nacken getragen. Hierbei wendet der Fang der Mutterhündin
selbstverständlich keinerlei Gewalt, Schmerz o.ä an, sondern die Hündin trägt
die Welpen mit dem minimalsten Druck vorsichtig, um Verletzungen zu vermeiden.
Natürlich wird hierbei auch nicht geschüttelt.
Kommt es zu einem Schütteln im Nacken des "Gegners" im Rahmen einer
Auseinadersetzung, so gehört auch diese Kampftechnik dem freien aggressiven
Verhalten mit dem Ziel der Beschädigung an und ähnelt dann dem Totschütteln der
Beute. Es handelt sich also auch hier nicht mehr um den sog. Kommentkampf
("Waffenrasseln")
Auch hier muß der betroffene Hund mit dem Schlimmsten rechnen, d.h. ebenfalls
damit, getötet zu werden. Und dies für kleinste Verfehlungen....
Die Folgen einer solchen "Behandlung" habe ich bereits unter Ziffer 1 dargelegt.
Artgerecht ist ein ruhiger Griff in den Nacken, ohne Schütteln und ggf. ein
ruhiges (nicht von Wut getragenes), aber bestimmtes Niederdrücken zu Boden.
Hierbei muß aber unbedingt beachtet werden, dass insbesondere bei kleinen,
erwachsenen Hunden und Welpen eine Technik gewählt werden muß, um Verletzungen
der Halswirbelsäule zu vermeiden (ggf. mit Hand auch den Widerrist fassen).
Abzulehnen ist der Einsatz des sog. Erziehungshalsbandes, Korrekturhalsband,
Korallen-halsbandes, Stachelhalsband etc., auch mit der Begründung, dass dieses
den schmerzhaften Griff in den Nacken symbolisiere. Erstens "packt" das Halsband
rund um den Hals an, zweitens besteht auch bei "stumpfen", d.h. nicht an den
Spitzen angeschliffene Halsbändern eine erhebliche Verletzungsgefahr (Oberhaut
kann sich von Unterhaut trennen, Hämatome etc.), drittens führt die
Schmerzeinwirkung sehr häufig zu einer Verstärkung aggressiver Verhaltensweisen,
zumal der Einsatz oft unprofessionell erfolgt.
Bei manchen, sehr körperbetont spielenden Hunderassen (z.B. Herdenschutzhunden)
kann die Verhaltensweise des Nackenfellschüttelns zum Spielrepertoire gehören,
allerdings nur, solange ein entspanntes Feld existiert.
3. Schnauzengriff
Der sog.
"Schnauzengriff" ist auch ein modern gewordenes Mittel, um dem Hund Dominanz zu
zeigen und ihn von unerwünschten Vorhaben abzubringen.
Hierzu ist zunächst anzumerken, dass die richtige Anwendung des Schnauzengriffes
nicht in jeder Situation, die oft beschrieben wird, technisch möglich ist und
sogar ein nicht zu unterschätzendes Verletzungsrisiko für den Hundeführer
darstellt.
Man braucht sich nur vorzustellen, dass ein Hund einen anderen attackieren
möchte und bereits vor "Wut schäumt", d.h. bellt und springt usw. Nun greife ich
als Hundeführer, wie es oft geraten wird, mit meiner Hand von oben über die sich
bewegende Schnauze des Hunde und versuche, mit meiner Hand den Oberkiefer zu
ergreifen, um dann - angeblich artgerecht - (kurz) zuzudrücken bzw. die Hand auf
dem Fang zu lassen...es bedarf keiner besonderen Fantasie, um das Szenario vor
sich zu sehen, dass man abrutscht oder aber bei dem Versuch zu greifen, in den
offenen Fang gerät. Selbst, wenn der Hund nicht zubeißen sollte, kann man sich
an den Zähnen erheblich verletzten.
Oder versuchen Sie den Schnauzengriff mal bei den besonders kurznasigen und/oder
kleinen Hunden.
Wenn dieser Schnauzengriff also angewandt werden soll, dann sollte sich der Fang
des Hundes (noch) in Ruhe befinden.
Der Schnauzengriff soll in der Regel auch nicht so angewandt werden, dass er dem
Hund Schmerzen bereitet, sondern er ist eine Dominanzgeste - entstanden aus der
Beobachtung, dass im gehemmt aggressiven Verhaltensbereich drohend über die
Schnauze gebissen bzw. ganz ruhig und mit wenig Druck die Schnauze gehalten
wird- quasi als Demonstration der Ranghöhe, ich könnte zubeißen, wenn ich
wollte, mit fürchterlichen Folgen für dich.....
Würden die Caniden sich in die Schnauze beißen oder aber massiv Schmerzen
vermitteln, so käme dies ebenfalls wieder einer Lebensgefahr für den
Unterlegenen mit all seinen Folgen gleich, siehe auch Ziffer 1 und 2..
Zudem wird häufig übersehen, dass der Hund durch der Schnauzengriff, wenn der
Hund nicht durch vielfache positive Berührungen am Fang im Vorfeld Vertrauen zu
der Hand an seiner Schnauze fassen konnte, handscheu werden könnte.
Die Welpen erleben den Fang der Mutterhündin zunächst als etwas sehr Positives:
er gibt Wärme, pflegt und beschützt.
Erst sehr viel später, wird der Fang in passenden Situationen auch mal grob.
Dies ist aufgrund der Gesamtsituation für die Welpen/Junghunde dann aber
akzeptabel und führt nicht zu einer Furcht vor dem Fang der Mutterhündin.
Im Hinblick auf die vielfältigen Erziehungshilfsmittel, die über den
artgerechten sog. Schnauzengriff arbeiten (z.B. Halti, Gentle-leader usw.), ist
anzumerken, dass strikt darauf geachtet werden muß, dass nicht ständig ein Druck
auf den Fang erfolgt. Dies wäre gleichbedeutend mit einem ständigen Bedrohen des
Hundes. Und, nur derjenige, der nicht souverän ist, hat es nötig, ständig zu
imponieren etc. Es kann hier die Unsicherheit des Hundes in die souveräne
Führung des Rudels noch verstärkt werden, unabhängig von dem nicht zu
vernachlässigenden Stress beim Hund.
Es wurden innerhalb der Ziffern 1-3 auch bewusst, die Reaktionen des anderen
Hundes auf die falsch angewandten, angeblich artgerechten Maßnahmen mit Folgen
für den gemaßregelten Hund nicht erwähnt, um den Rahmen dieser Darstellung nicht
zu sprengen.
4. Laßt es die Hunde unter sich ausmachen, …
… alle Hunde lieben sich, meiner macht nichts, Beißhemmung, Welpenschutz ...
Dies sind "Lieblingsthemen" von mir! Zumal, wenn es so absolut
dargestellt ist, wie es heute modern ist.
Zunächst- es ist weder artgerecht, noch nachvollziehbar, weshalb sich alle Hunde
lieben und miteinander spielen sollen.
Gespielt wird auch unter Hunden nur, wenn eine entspannte Stimmung herrscht.
Entspannte Stimmungen müssen sich entwickeln können, d.h. die Hunde müssen
ausreichend Gelegenheit gehabt haben, sich kennen zu lernen.
Häufiger, für Hunde auch notwendiger, positiver Sozialkontakt mit anderen Hunden
führt dazu, dass die Hunde sich und auch andere Artgenossen, die oftmals ganz
andere Bewegungsformen haben, kennen zu lernen.
Verzichten kann und muß man allerdings auf die oftmals aufgedrängten negativen
Kontakte mit anderen Artgenossen, da diese zu einer nicht gewünschten
Einstellungs- und Verhaltensänderung des eigenen Hundes führen können.
Mit Blick auf die "Kenntnisse" über Rangordnung und die innerhalb eines Rudels
herrschenden Verhaltensmechanismen wird dann ein Hundehalter, der seinen Hund
z.B. mit der Bemerkung, dass dieser nicht mit anderen Rüden spielt (Ursachen,
auch welche, die nicht in der Person des Hundeführers liegen, gibt es viele),
darauf hingewiesen, dass er seinen ruhig laufen lassen solle, die Hunde regeln
das unter sich und , wenn es ernst wird, unterwirft sich "meiner" und Ihr Hund
wird ihm dann nichts mehr tun.
Ich frage mich wirklich, wann es Allgemeingut wird, dass insbesondere diese
Regeln
zuverlässig nur innerhalb eines
intakten Rudels gelten und ein Rudel nicht dadurch gebildet wird, dass man sich
gelegentlich beim Spaziergang trifft.
Wenn man sich regelmäßig beim Spaziergang trifft, kennen sich die Hunde meist
innerhalb der Gruppe sehr gut und regeln viele Dinge im absolut gehemmten,
aggressiven Bereich. Bereits kleinste Anzeichen aufkommender Aggression werden
erkannt und jeder ist selbstverständlich bemüht, keine Verletzungen davon zu
tragen, so dass es auch kaum zu größeren Auseinadersetzungen kommt- es sei denn,
die Situation verändert sich, z.B. dadurch, dass ein Hund neu hinzukommt.
Es entwickeln sich dann je nach Hundetypen, die aufeinander treffen, auch
soziale Beziehungen dergestalt, dass der eine akzeptiert, dass der andere an
seinem Stöckchen das Vorrecht hat.
Es handelt sich aber nicht um eine gelebte Rangordnung im ursprünglichen Sinn.
Jetzt sind unsere domestizierten Hunde aufgrund der oftmals nur positiven
Erfahrungen mit anderen Hunden in ihrem Annäherungsverhalten an fremde Hunde
schon oft so "geschädigt", dass sie direkt und mit voller Geschwindigkeit auf
einen fremden Hund zustürzen, ohne die Regeln einer freundlichen Annäherung zu
beachten.
Treffen solche Hunde auf Hunde, die auf Einhaltung der Regeln "bestehen", die
Anrennenden teilweise schon dominant im Vorfeld fixieren und der Hundeführer des
heranrennenden Hundes hat dann noch die Einstellung "lass sie es nur
machen...meiner macht ja nichts", oftmals gekoppelt mit der Unfähigkeit, den
Hund zurückzurufen, ist ein vermeidbarer Konflikt vorprogrammiert.
Auch der Welpenschutz funktioniert nur innerhalb eines gelebten Rudel
zuverlässig und geht keinesfalls bis zum 12. Lebensmonat!
Unsere Hunde sind oftmals, aber nicht immer (!!) alles "Onkel" und "Tanten",
d.h. gehören der Gruppe der Gamma-Tiere an, souveräne "Alpha" sind leider sehr
selten anzutreffen. Sie sind Welpen gegenüber sehr häufig sehr geduldig und
lassen sich regelrecht traktieren.
Es gibt aber auch andere Hunde, die im Rahmen eines Rudels nicht mit der
Welpenbetreuung betraut werden würden, da sie eben nicht so langmütig und/oder
souverän sind, sondern von Anfang an massiv auf der Einhaltung von Regeln
bestehen und/oder im Umgang mit Welpen ein "Gefühl wie ein Dampfhammer haben".
Zunächst würden die Mutterhündin und dann auch ihre Hilfskräfte, d.h. die
"Onkel" und "Tanten" alles daran setzen, dass die Welpen nicht zu jung an solche
Hunde geraten. Dann mit zunehmenden Alter würden sie artgerechte und auch harte
Korrekturen zulassen, damit die "Jungspunde" lernen können.
Welpen lösen auch nicht bei allen Hündinnen "Muttergefühle" aus...gerade
Hündinnen können für Welpen gefährlich sein. Es gibt in der Natur sowohl
innerhalb als auch noch viel mehr außerhalb des Rudels das Phänomen, dass
Hündinnen fremde Welpen sogar anlocken, um sie töten zu können. Ein nur auf den
ersten Blick verwerflich und hinterhältig erscheinendes Verhalten. Dahinter
stehen begrenzte Ressourcen, die nicht durch fremde Welpen und deren
Notwendigkeit der Versorgung gefährdet werden sollen. Dieses Verhalten dient
also durchaus der Arterhaltung und innerhalb des Rudels u.a. der Selektion.
Nun ist es nur zu menschlich, dass wir natürlich Probleme haben zuzusehen, wenn
ein erwachsener Hund einen Welpen sehr massiv zurechtweist. Wir müssten aber
zunächst (kurz!!, viel, insbesondere jahrelange Erfahrung erforderlich) die
Situation analysieren, um beurteilen zu können, ob das Verhalten des erwachsenen
Hundes oder aber auch des Welpen(!!)
situationsgerecht war oder nicht.
Als Fazit lässt sich festhalten:
Es handelt sich eigentlich um Regeln des normalen,
rücksichtsvollen Umgangs miteinander, die aber leider immer mehr missachtet
werden. Man sollte immer bedenken, dass die Freiheit des Einzelnen dort endet,
wo die Freiheit des anderen beginnt.
Viele Hunde in der Verhaltenstherapie sind Opfer solch rücksichtsloser
Verhaltensweisen anderer Hundehalter bzw. falsch angewandter "artgerechter"
Erziehungs-und Ausbildungs-maßnahmen. Informieren Sie sich im Vorfeld, sammeln
sie fundierte Informationen und machen Sie sich ihre eigenen Gedanken!
Stand 27.02.04
An
alle Interessenten und Engagierten:
Wenn Sie diesen Text auf Ihrer Homepage veröffentlichen oder ausdrucken möchten,
erteile ich Ihnen hiermit ausdrücklich bis auf ausdrücklichen Widerruf, den Text
in unveränderter, vollständiger Form unter Nennung der Quelle
www.Teampassion.de , Andrea Kühne , Nürnberg. Des weiteren bitte ich
Sie, damit an der Verbreitung des Textes mitzuwirken und nachzudenken, welche
Ratschläge Sie annehmen, damit auch solche angeblich ethologisch fundierten
Erziehungs- und Ausbildungshinweise nicht noch weiter um sich greifen.
Auf die richtige Motivation kommt es an!
Ohne Frage – Motivation ist
ein sehr wichtiges Thema bei der Hundeerziehung, sie bildet die Grundlage für
ein erfolgreiches Training. Häufig wird bei diesem Thema an Belohnungen gedacht,
daran, was man seinem Hund anbieten kann, damit er bereit ist, mit einem
zusammenzuarbeiten. Hier stehen grundsätzlich mehrere Möglich-keiten zur
Verfügung:
1. Die Futterbelohnung. Bei ihr ist es wichtig, Leckerchen zu wählen, die
der Hund auch wirklich mag! Klingt logisch, wird aber häufig nicht praktiziert.
Oft bekommt unser Vierbeiner für gute Leistung die gleichen Trockenfutterkörner
angeboten, die er morgens schon gelangweilt im Napf vorgefunden hat. Viel besser
hingegen wären Wurst (möglichst wenig gewürzt), gekochte Fleisch-stücke oder
Käse (Butterkäse, junger Gouda). Wer nun glaubt, das seien aber schon sehr
besondere Schmankerl und der Hund könne sich ja nun wirklich auch mit einer
weniger guten Futterbelohnung zufrieden geben, der denke über folgendes Beispiel
nach: Wir fragen Sie, ob Sie uns helfen würden, unseren Keller aufzuräumen.
Falls ja, werden Sie nach der Entrümpelungs-arbeit als Dankeschön ein trockenes
Knäckebrot bekommen. Sind Sie motiviert? So richtig motiviert, so dass Sie mit
Begeisterung an diese Aufgabe herangehen? Etwa nicht? Okay, dann versuchen wir
es anders. Wenn Sie uns helfen, den Keller aufzuräumen, kochen wir hinterher
Spaghetti mit Trüffel-Weißwein-Soße und frischem Parmesan. Jetzt doch motiviert?
Na sehen Sie, genauso geht es Ihrem Hund!
Natürlich darf es in der Futterbelohnung Varianten von „gutem Futter“ und „sehr
gutem Futter“ geben. Für ein Kommando, das der Hund bereits gut kann und das ihm
keinerlei Mühe bereitet, muss die Futterbelohnung nicht so herausragend sein wie
für ein Kommando, das dem Hund offensichtlich deutlich schwerer fällt. Probieren
Sie es doch einmal aus: Geben Sie Ihrem Hund eine Woche lang für das Kommando,
das ihm am schwersten fällt (und nur für dieses!) etwas ganz Besonderes, z.B.
Leberwurst aus der Tube. Sie werden sehen, seine Motivation, dieses Kommando gut
auszuführen, wird deutlich steigen.
Die Futterbelohnung ist außerdem die, die dem natürlichen Verhaltens-repertoire
eines Caniden am ehesten entspricht, denn auch in der freien Natur ist die
Motivation, Handlungen zu zeigen, um an Nahrung zu kommen, hoch.
Einige Hundehalter – und auch Trainer – glauben übrigens, der Hund solle nicht
für Leckerchen, sondern für sie arbeiten. Unsere simple Antwort: Warum sollte
er? Nur weil der Mensch in seiner ganzen Selbstherrlichkeit glaubt, seine
Anwesenheit allein genüge schon, den Hund ausreichend zu motivieren? Diese
Einstellung hat sehr viel mit Humanpsychologie und gar nichts mit
Tierpsychologie zu tun, denn sie entspringt dem Wunsch des Menschen, wenigstens
von einem Lebewesen nur um seiner selbst willen geliebt zu werden, ohne etwas
Besonderes dafür tun zu müssen. Wir können zwar gut verstehen, dass man sich
wünscht, der Hund möge die Kommandos
„wie selbstverständlich“ und aus Freude am gemeinsamen Arbeiten ausführen, aber
aus biologischer Sicht muss das Lernen für den Hund eine Verhaltensanpassung
sein, die ihm in irgendeiner Form Vorteile bringt, er hat keinen Grund „für uns“
zu arbeiten und sieht darin auch keinen Liebesbeweis. Ja, es gibt einige Hunde,
die mehr oder weniger ohne Belohnungen unermüdlich und mit Spaß Kommandos
ausführen. Für diese Hunde ist die Beschäftigung, das Arbeiten mit ihnen
selbstbelohnend. Das können zum Beispiel Vertreter bestimmter Hütehundrassen
sein, die züchterisch auf diese Art von Tatendrang selektiert wurden, also eine
bestimmte Arbeitsfreude in ihren Genen tragen, was aber auch nicht bei allen
Hütehunden der Fall ist. Die meisten Hunde aber brauchen handfestere Vorteile
bzw. Belohnungen, um ihr Verhalten den Wünschen des Menschen anzupassen. Wenn
man dazu nicht bereit ist, besteht die Alternative, den Gehorsam zuverlässig zu
halten, nur in Zwang, anders gesagt im Androhen oder Anwenden von Strafe. Das
Vermeiden der Strafe ist für den Hund auch ein Vorteil, daher ist es möglich,
über das Androhen von Strafe gewünschte Reaktionen zu erhalten. Aber da ist die
Wahl für uns wirklich einfach: Wir geben unseren Hunden lieber bis an ihr
Lebensende Belohnungen, als immer wieder Zwang und Gewalt ausüben zu müssen, um
sie zum zuverlässigen Arbeiten zu kriegen. Abgesehen davon glauben wir schon,
dass unsere Hunde uns wirklich mögen… bestimmt auch wegen der leckeren
Futterbelohnungen, die wir für sie bereit halten.
2. Die zweite Motivationsmöglichkeit besteht darin, mit dem Hund zu
spielen, wenn er eine Übung gut ausgeführt hat. Spiel kann eine sehr gute
Motivation sein, wenn man einen aktiven, immer zu Abenteuern aufgelegten und
spielbegeisterten Hund hat, für den Leckerchen zwar toll sind, aber eben nicht
so toll wie spannende Interaktionen. Gerade das Abrufen von anderen Hunden kann
durch Spielmotivation (z.B. ein Rennspiel mit dem Halter als Belohnung für das
Zurückkommen) oft sehr zuverlässig beigebracht werden. Zwei Dinge sind dabei
aber sehr wichtig zu beachten: Erstens muss das Spiel als Belohnung zu dem
Kommando passen, das man gerade üben möchte. Wird dem Hund ein Ruhekommando wie
beispielsweise „Platz“ beigebracht, und nach jedem Durchgang wird er mit einem
wilden Spiel belohnt, so macht man es dem Hund unnötig schwer, da er beim
Kommando „Platz“ lernen soll, ruhig und entspannt zu liegen. Die Belohnung
„wildes Spiel“ bringt ihn aber jedes Mal in eine ganz andere, aufgeregte
Erwartungshaltung, die er beim nächsten „Platz“ innerhalb von einer Sekunde
wieder abstreifen soll. Daher eignet sich für Ruhekommandos wie „sitz“, „Platz“,
„bleib“ oder „steh“ die Futterbelohnung deutlich besser.
Zweitens ist wichtig, dass die Spielmotivation eben MOTIVATION sein soll, kein
Aufpushen des Hundes und erst recht keine Erzeugung von Abhängig-keit. Das Spiel
mit Gegenständen, insbesondere das ständige Werfen von Bällen oder Stöckchen,
hat oft zur Folge, dass der Hund sich sehr aufregt oder sogar derart auf sein
Spielzeug fixiert wird, dass er zum Spieljunkie mutiert, der wie ein Süchtiger
dem „Motivationsobjekt“ in Herrchens oder Frauchens Hand nachjagt. Oft entsteht
beim Hund dadurch ein sehr hoher Stresslevel. Hinzu kommt, dass dieses Spielzeug
als Beute so viel Wichtigkeit im Leben unseres Hundes erhält, dass er schnell
bereit ist, es gegen
Artgenossen zu verteidigen, denn da, wo eine so wertvolle Beute ist, ist die
Beuteaggression nicht weit. Last not least stellt sich für uns die Frage, wer
wirklich einen Hund haben möchte, dessen Persönlichkeit so weit manipuliert
wurde, dass ihn Sozialkontakte zu Artgenossen, das Schwimmen im Wasser oder das
Toben über die Wiese nicht mehr interessieren, wenn das Objekt der Begierde in
des Meisters Hand vorgeführt wird?! Wir finden es eher erschreckend und traurig,
wenn uns Hundehalter mit zufriedener Miene erklären, nach langem Training
könnten sie ihren Hund nun endlich an jedem Reiz vorbei führen, solange sie sein
Bällchen hoch halten. Dies ist für uns keine Motivation mehr, sondern die
Erzeugung von Abhängigkeit. Ebenso, wie der Drogensüchtige sich auf seine Droge
nicht wirklich freut, sondern von ihr abhängig ist und ohne sie nicht leben
kann. Wir wünschen uns motivierte Hunde, keine süchtigen.
3. Als weitere Motivationsform gilt die positive Zuwendung in Form von
Lob und Streicheln. Wir freuen uns über die gute Leistung unseres Hundes und
teilen diese Freude mit ihm über freundliche Worte und zum Beispiel ein wohliges
Kraulen über den Kopf. Manche Hunde sind davon sehr angetan, andere finden das
o.k. und warten mit fragendem Blick auf die eigentliche Belohnung (z.B. leckeres
Futter) und wieder andere finden diese Art der Zuwendung eher aufdringlich und
könnten darauf gut verzichten. Dies hängt einerseits vom Charakter des Hundes
ab, andererseits aber auch davon, wie Herrchen oder Frauchen loben und
streicheln. Denken Sie immer daran, dass Hunde die menschliche Körpersprache oft
ganz anders verstehen, als sie von uns gedacht war: Theatralisch anmutende
Lobeshymnen mit weit ausladenden Armbewegungen, aufgeregtem Hüpfen und
Quietschstimme werden unter Umständen eher als Warnsignal, Unsicherheit oder
ungute Aufregung verstanden. Mit tiefer Bassstimme und resolut ausgesprochene
Sätze wie „So ist es recht!“, während der Hund mit Klopfbewegungen auf dem Kopf
„gestreichelt“ wird, nimmt er eher als Einschüchterung oder evtl. sogar als
Aggression wahr. Die Engländer nennen diese Form des Lobes „Give him a
headache!“, was so viel bedeutet wie „Mach ihm Kopfschmerzen!“ Eine freundliche,
ruhige Stimme und ein sanftes Streicheln wären so mancher Hundeseele lieber. Wir
empfehlen: Achten Sie auf die Reaktionen Ihres Hundes! Zeigt er durch
Anschmiegen, dass ihm die Streicheleinheit gefällt, oder duckt er sich eher ab
und versucht, sich den Berührungen zu entziehen? Wichtig bei der Motivation über
positive Zuwendung ist, dass der Hund sie auch als angenehm und motivierend
empfindet. Ansonsten ist es nämlich gar keine Motivation, sondern unter
Umständen nur freudiger Überschwang unsererseits, weil der Hund gut
mitgearbeitet hat.
4. Zuletzt sei noch eine Motivationsart genannt, die Gott sei Dank von
immer mehr Hundehaltern abgelehnt wird und nur noch bei sehr veralteten
Trainingskonzepten zur Anwendung kommt: die Meidemotivation. Sie heißt deshalb
so, weil der Hund motiviert ist, zu gehorchen, um die Reaktion des Halters zu
vermeiden. Gearbeitet wird über einschüchternde Stimme, Schläge, Ziehen an den
Ohren, Treten auf die Pfoten und andere Schmerz-einwirkungen, über Vereinsamung,
Einschüchterung und psychisches
Kaputtmachen, um den Hund dann wieder nach den Wünschen des Halters oder
Trainers „aufzubauen“.
Der Hund führt alle geforderten Handlungen so schnell wie möglich aus, soweit
seine Angst dies zulässt, um einer solchen Strafe zu entgehen. Macht er seine
Arbeit wirklich gut, werden von manchen Trainern sogar so genannte
„Verleitungen“ aufgebaut, womit gemeint ist, dass der Hund absichtlich dazu
gebracht wird, Fehler zu machen, damit man ihn dann wieder strafen kann. In
einem Erziehungsvideo über Jagdhunde fällt zum Beispiel der Satz: „Nun müssen
wir den Hund zum Ungehorsam zwingen, damit wir das Teletakt (Reizstromgerät)
einsetzen können.“ Dieses vollkommen unlogische Vorgehen (Denn der Hund gehorcht
ja bereits, und genau das war doch das Ziel, oder?!) lässt leider nur zwei
Schlüsse zu: Absolutes fachliches Unvermögen oder eine perverse Lust, den Hund
zu strafen, egal, ob er nun hört oder nicht. In dem gleichen Video ist übrigens
ein Hund zu sehen, der vor lauter Angst so stark zittert, dass er sein Apportel
kaum in den Fang nehmen kann, obwohl er weiß, was er tun soll. Der Ausbilder
macht gut gelaunt weiter mit der „Ausbildung“ und bemerkt offensichtlich gar
nicht, wie es dem armen Tier geht. So wenig Fachwissen macht wütend und so wenig
Empathie macht Angst.
Wir sind froh, dass viele Hundehalter diese Methoden ablehnen und bewusst auf
positive Motivation über Futterbelohnung, Spiel oder positive Zuwendung setzen.
Aber auch die hat ihre Grenzen, und so hören wir immer mal wieder verzweifelte
Sätze wie: „Da kann ich mit einer ganzen Fleischwurst vor seiner Nase
herumwedeln, er macht das trotzdem nicht. Obwohl er Fleischwurst liebt.“ Woran
kann das liegen? Wir glauben, dass eine in Aussicht gestellte, attraktive
Belohnung eben nur ein Teil der Motivation ist. Zwei weitere wichtige Aspekte
dürfen nicht außer Acht gelassen werden:
1. Der Hund muss sich der Aufgabe gewachsen fühlen
Selbst wenn man uns als Belohnung ein wunderschönes Haus mit riesigem Garten und
Swimmingpool anbieten würde, wären wir nicht motiviert, an eine Aufgabe
heranzugehen, bei der wir davon ausgehen müssten, dass wir scheitern werden. Wir
sind beide nicht sehr sportlich, und deshalb würden wir zum Beispiel die Aufgabe
„Lauf morgen den 42-Kilometer-Marathon, dann kriegst Du das Anwesen“ gar nicht
erst angehen, ganz egal, wie attraktiv die in Aussicht gestellte Belohnung ist.
Im Gegenteil, unser Unvermögen, diese Aufgabe zu bewältigen, und der daraus
resultierende Frust würden uns dem ganzen Thema Sport oder auch der Person, die
uns dieses Angebot gemacht hat, genervt gegenüber stehen lassen.
Genau das gleiche Phänomen beobachten wir auch bei den Hunden. Sie trauen sich
die gestellte Aufgabe nicht zu, weil sie zum Beispiel nicht schrittweise an sie
herangeführt wurden, weil sie einfach zu schwierig für sie ist oder weil sie
keine ausreichende Hilfestellung bekamen. Für den Außenstehenden sieht es so
aus, als interessiere der Hund sich gar nicht für die Belohnung. In Wirklichkeit
hat er aufgegeben, weil er sich hoffnungslos überfordert fühlt.
Auch wenn ein Irish Setter mit Leichtigkeit über eine Hürde springt, muss ein
gleich großer, aber doppelt so schwerer Berner Sennenhund das nicht auch
schaffen. Der über Monate ausgebildete Rettungshund läuft ohne Zögern über eine
wackelnde Hängebrücke, nun soll der halbjährige Schäferhund des Vereinskollegen
das auch
mal probieren – und scheitert natürlich, weil Herrchen oder Frauchen mit ihren
Anforderungen geradezu größenwahnsinnig anmuten. Der Hund fühlt sich
über-fordert und frustriert, er verliert an Selbstvertrauen und traut sich immer
weniger an neue Aufgaben heran – oder zumindest an solche, die von dem Menschen
gestellt werden, der ihn immer wieder überfordert hat.
Es ist also wichtig zu bedenken, dass die Motivation des Hundes auch ganz
entscheidend von seiner Einschätzung abhängt, ob er sich der Aufgabe gewachsen
fühlt und gute Chancen sieht, sie zu lösen.
2. Die Rahmenbedingungen müssen passen
Auch wenn die in Aussicht gestellte Belohnung stimmig ist und der Hund sich
einer Aufgabe grundsätzlich gewachsen fühlt, kann die Motivation unzureichend
sein. Dies ist dann der Fall, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Nehmen
wir an, Sie könnten sehr gut kopfrechnen und man böte Ihnen 500,-- Euro dafür
an, dass Sie drei Stunden lang einfache Rechenaufgaben im Kopf lösen. Klingt
gut, oder?! Aber wie wäre es um Ihre Motivation bestellt, wenn diese drei
Stunden mitten in der Nacht auf freiem Feld bei Schneeregen stattfinden sollten
und Sie nur mit leichter Jeans und T-Shirt bekleidet wären? Oder auf einer seit
Wochen nicht gereinigten Bahnhofstoilette? Dieses Szenario mutet auf den ersten
Blick unrealistisch an, aber schauen wir mal näher hin: Auf vielen Hundeplätzen
werden auch heute noch im Winter bei Eiseskälte lange Übungseinheiten mit
„sitz“, „Platz“ und „bleib“ auf kaltem, matschigem Boden verlangt. Die Trainer
und Hundehalter achten bei diesen Übungen nicht darauf, ob die Hunde frieren, es
ihnen unangenehm ist, sich in den Dreck zu legen oder andere Rahmenbedingungen
nicht stimmen. Die Hunde sollen einfach tun, was ihnen gesagt wird und damit
fertig. Schließlich kennen sie das Kommando ja! Aber Rahmenbedingungen gehören
eben auch dazu, und auf sie zu achten und damit die Bedürfnisse des Hundes zu
würdigen, dazu möchten wir anregen, denn die meisten Menschen möchten ihrem Hund
ja eigentlich Gutes tun.
Wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, sind unsere Hunde wenig bis gar nicht
motiviert, angesagte Übungen auszuführen, obwohl sie diese eigentlich
beherrschen und Leckerchen zur Belohnung in Aussicht gestellt werden. Passende
Rahmenbedingungen können übrigens für jeden Hund anders aussehen. Die
Herdenschutzhündin Emma, die vor einigen Jahren ins Training kam, legte sich
ohne zu zögern beim schlechtesten Wetter für Stunden nach draußen, ihr dickes
Fell schützte sie genug, mit ihr konnte man bei jedem Wetter arbeiten – außer
bei Hitze, da konnte sie sich auf rein gar nichts konzentrieren. Zwei
kurzhaarige Hunde, die zur Zeit trainiert werden, blühen dagegen bei Wärme auf
und lernen die tollsten Sachen – sobald aber Regen vom Himmel fällt, muss das
Training abgesagt oder in einen Innenraum verlegt werden, denn sie fangen sofort
an zu zittern und zu frieren und ihre Motivation sinkt auf Null. Beide bekamen
deshalb inzwischen einen Mantel. Um den Hund zu guter Arbeit zu motivieren, sind
also mindestens drei Dinge erforderlich:
- eine erstrebenswerte Belohnung,
- dass sich der Hund der Aufgabe gewachsen fühlt und
- passende Rahmenbedingungen.
Betrachten Sie unter diesen Gesichtspunkten doch einmal, wie Sie in der letzten
Zeit mit Ihrem Hund trainiert haben. Vielleicht können Sie das ein oder andere
ändern, damit er in Zukunft (noch) besser motiviert ist? Wir wünschen viel Spaß
und Erfolg bei der gemeinsamen Arbeit!
Clarissa v. Reinhardt, www.animal-learn.de,
Marion Elstrodt, www.hundepartner.com
P.S.: Hiermit laden wir alle Hundefreunde ein, bei der Verbreitung dieses Textes
zu helfen. Wir erlauben als Autorinnen ausdrücklich, ihn (vollständig,
unverändert und unter Nennung der Quelle) auf anderen Homepages zu
veröffentlichen, auszudrucken und zu verteilen oder auf ihn hinzuweisen.